• Häufige Fehler bei Testament und Nachlass

Häufige Fehler bei Testament und Nachlass

31.01.2020 KARIN BRUNNER Teamleiterin Nachlass / Willensvollstreckung beim VZ Vermögens- Zentrum in Zürich

Falsche Formulierungen können Ihre guten Absichten verhindern.

Zwischen Erben kommt es oft zu Streit, wenn die verstorbene Person kein Testament hinterlassen hat oder das Testament unklar formuliert ist. Diese Irrtümer sind besonders verbreitet:

Irrtum 1

Jeder kann allein bestimmen, wer wie viel erbt.

Das stimmt nur teilweise. Sie können im Testament anordnen, dass neben den gesetzlichen Erben auch andere Personen etwas bekommen. Und Sie dürfen entscheiden, dass ein Erbe mehr oder weniger erhält. Die Pflichtteile sind aber verbindlich. Pflichtteilsgeschützte Erben können ihren Anteil geltend machen, auch wenn im Testament etwas anderes steht.

Tipp: Prüfen Sie, ob für Ihre Situation ein Erbvertrag sinnvoll ist. Damit können Erben freiwillig auf ihren gesetzlichen Anspruch verzichten. Ein Ehepaar kann etwa mit den Kindern vereinbaren, dass sie beim Tod des ersten Elternteils auf ihr Erbe verzichten und der überlebende Elternteil alles bekommt.

Irrtum 2

Wer vor seinem Tod alles verschenkt, verhindert Streit.

Viele Eltern möchten ihren Kindern schon zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens übertragen. Erbvorbezüge, Schenkungen oder Darlehen sind für die Begünstigten eine schöne Sache, aber leider auch oft Grund für spätere Erbstreitigkeiten – vor allem dann, wenn bei diesen sogenannten lebzeitigen Zuwendungen keine klare oder überhaupt gar keine Abmachung getroffen wurde. Denn nach dem Tod müssen die Zuwendungen grundsätzlich ausgeglichen werden.

Tipp: Erbvorbezüge sollten immer schriftlich festgehalten werden. Gleichzeitig sollten Sie festhalten, ob die lebzeitige Zuwendung bei der Erbteilung ausgeglichen werden muss oder nicht. Wichtig: Lebzeitige Zuwendungen werden bei der Berechnung der Pflichtteile mit dem Verkehrswert berücksichtigt.

Irrtum 3

Wenn mein Ehepartner stirbt, erbe ich automatisch alles.

Nein, ohne Testament bekommen der überlebende Partner und die Kinder je die Hälfte des Vermögens. Die Kinder kommen nicht erst dann zum Zug, wenn beide Eltern gestorben sind. Ebenfalls begünstigen müssen sich Ehepaare ohne Kinder. Ansonsten sind auch andere Verwandte (zum Beispiel Geschwister) erbberechtigt.

Tipp: Ehepaare, die Wohneigentum besitzen, sollten sich gegenseitig absichern. Sonst muss der überlebende Partner das Eigenheim möglicherweise verkaufen, weil er die gesetzlichen Erben nur so auszahlen kann. Auch Ehepaare ohne Kinder sollten sich maximal begünstigen.

Irrtum 4

Notarielle Urkunden gelten mehr als handgeschriebene.

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube: Ein Testament muss nicht «offiziell» aussehen und öffentlich beurkundet sein. Es ist auch gültig, wenn es von Hand geschrieben, mit Datum versehen und unterschrieben wurde. Wichtig ist jedoch, dass es von einer Fachperson auf Form und Inhalt geprüft wird. Darüber hinaus sollte das Testament an einem sicheren Ort oder bei einer zuverlässigen Stelle hinterlegt werden, damit es im Todesfall auch gefunden und eröffnet wird.

Tipp: Hinterlegen Sie Ihr Testament bei der dafür vorgesehenen gesetzlichen Depositenstelle, damit es im Todesfall gefunden und eröffnet wird.

Irrtum 5

Ehepaare können ein gemeinsames Testament aufsetzen.

Im schweizerischen Erbrecht ist die Form des gemeinschaftlichen Testaments nicht vorgesehen. Ein solches ist deshalb ungültig. Jeder Ehepartner muss für sich ein Testament aufsetzen.

Tipp: Vergessen Sie nicht, alle zu einem früheren Zeitpunkt erstellten Testamente zu widerrufen. Wenn Sie einen Nachtrag schreiben, muss er im Testament klar erkennbar sein.

Irrtum 6

Niemand kann gegen seinen Willen fremde Schulden erben.

Wer erbt, erbt nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden des Verstorbenen. Wer unsicher ist oder keine Kenntnis über die persönlichen Finanzen des Verstorbenen hat, kann ein öffentliches Inventar verlangen. Dann werden die Aktiven und Passiven des Vermögens des Verstorbenen von Amtes wegen aufgelistet. Wenn die Schulden höher ausfallen als die Aktiven, ist die Erbschaft ein Verlustgeschäft. In solchen Fällen lohnt es sich, die Erbschaft auszuschlagen.

Tipp: Wenn Sie ein Erbe ausschlagen wollen, müssen Sie dies innert dreier Monate seit Kenntnis des Todes des Erblassers oder seit Vorliegen des öffentlichen Inventars erklären.

Irrtum 7

Wer will, kann seine Familie vollständig enterben.

Enterben ist leichter gesagt, als getan. Grundsätzlich können nur pflichtteilgeschützte Erben enterbt werden. Will heissen: Bei einer Enterbung wird einem Erben sein Pflichtteil entzogen. Dies ist aber nur möglich, wenn ein Enterbungsgrund gegeben ist. Diese Hürde ist hoch.

Tipp: Gesetzliche Erben ohne Pflichtteilsanspruch hingegen können ohne Begründung von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Dazu braucht es lediglich ein Testament.