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Bis in den letzten Winkel ausgenützt

12.05.2016     JUTTA GLANZMANN GUT Dipl. Architektin ETH Faktor Journalisten, Zürich

Bauen auf begrenztem Raum – Der Wohnturm steht mitten in Zürich und zeigt, dass im Dialog mit Nachbarn und Behörden auch auf einem kleinen Restgrundstück architektonisch überzeugender Wohnraum realisiert werden kann.

Die Parzelle an der Ecke Drahtzug- und Hammerstrasse im Zürcher Kreis 8 ist 203 Quadratmeter klein. Trotzdem steht dort seit bald drei Jahren ein Haus, das zwei Parteien insgesamt 250 m2 Wohnfläche bietet. «Der Neubau ist für den Ort massgeschneidert», sagen die beiden Architekten Lukas Küng und Steffen Lemmerzahl, Partner im Büro SLIK Architekten GmbH, die das architektonische Konzept im Auftrag des Eigentümers entwickelt haben. Letzterer ist selber Architekt und hatte das bestehende Haus mit Baujahr 1843 an der Hammerstrasse 43 erworben. Eigentlich mit der Absicht, es zu sanieren. Aber das Gebäude, in das zuletzt in den Jahren 1960 und 1980 investiert worden war, hatte einen erheblichen Erneuerungsbedarf. Unter anderem waren am bis dahin nicht gedämmten Haus durch die aufgebrachte Innendämmung strukturelle Schäden an der Bausubstanz entstanden, die nur mit unverhältnismässig hohen Kosten hätten behoben werden können. Deshalb entschied man sich für einen Ersatzneubau.

Ohne Näherbaurecht keinen Bau

Es zeigte sich allerdings sehr bald, dass dies nicht einfach war. Denn die Grenzabstände zu den benachbarten Liegenschaften waren so, dass die mögliche Ausnützung des Grundstücks sich nur theoretisch realisieren liess: «Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte, für den eigentlichen Baukörper blieb immer zu wenig Grundfläche», erzählt Steffen Lemmerzahl rückblickend. Als Erstes suchten die Architekten deshalb das Gespräch mit den Nachbarn. Ohne das Näherbaurecht, das diese in der Folge gewährten, wäre der Bau gar nicht möglich gewesen. Das schliesslich realisierte Volumen leitet sich aus dem Grenzabstand gegen Norden (3,5 Meter) und Osten (3 Meter) sowie der Baulinie zur Strasse hin ab. Der Sockel, auf dem die zwei quasi übereinander gestapelten «Einfamilienhäuser » stehen, bestand bereits vorher. Mit verschiedenen Massnahmen passten die Architekten das Gebäude in den verfügbaren Raum ein: Indem sie die beiden Wohneinheiten von aussen mit je einem eigenen Eingang erschlossen, liess sich die Treppenbreite von 1,20 Meter auf 90 Zentimeter reduzieren. Die unterschiedlich hohen Geschosse ermöglichten auch vertikal eine ideale Setzung des Baukörpers, und mit den offen gestalteten, unkonventionellen Grundrissen gelang es, die verfügbare Fläche optimal zu nutzen.

Garage und Atelier inklusive

Für die Gestaltung des Attikageschosses suchten die Architekten ebenfalls das Gespräch mit der zuständigen Behörde. So konnte auch hier noch ein kleines Volumen realisiert werden, das den Bau zusammen mit der vorgelagerten Terrasse gegen oben abschliesst. Selbst eine Garage für die beiden notwendigen Pflichtparkplätze hat auf dem Grundstück noch Platz gefunden. Die Parkplätze liegen im bestehenden Sockel, der komplett ausgehöhlt wurde und neben Keller- und Technikräumen zusätzlich ein kleines Atelier mit eigenem Zugang beherbergt. Während der Sockel in Ortbeton ausgeführt wurde, war für die übrigen Geschosse ursprünglich ein Holzbau in Eleten Haus durch die aufgebrachte Innendämmung strukturelle Schäden an der Bausubstanz entstanden, die nur mit unverhältnismässig hohen Kosten hätten behoben werden können. Deshalb entschied man sich für einen Ersatzneubau.

Zwei Wohnungen oder ein Einfamilienhaus

Die beiden Wohnungen, die über eine kontrollierte Lüftung verfügen, erstrecken sich jeweils über zwei Stockwerke mit durchschnittlich 55 Quadratmetern Fläche pro Geschoss. Die untere Wohnung hat ihren Wohnbereich im Erdgeschoss mit direktem Zugang zu einem kleinen Gärtchen mit Abendsonne, das zugehörige Schlafgeschoss liegt im ersten Stockwerk. Die obere Wohnung ist über eine Treppe direkt von aussen erschlossen und verfügt ebenfalls über zwei Stockwerke mit Wohn- und Schlafbereich sowie das Attikageschoss. Von hier geht der Blick zum botanischen Garten, der in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, und über die Stadt. «Denkbar ist auch, dass die beiden Wohnungen zusammen genutzt werden», erklärt Steffen Lemmerzahl. Denn trotz der äusserst knappen Grundfläche verbindet ein Lift den «Wohnturm».

WEITERE INFOS

Weitere Informationen zum Objekt SLIK Architekten GmbH, Zürich: www.slik.ch 

Realisierung: Vetsch Architektur AG